Glauben Sie an Wunder?

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Glauben Sie an Wunder? Meine Antwort auf diese Frage hängt davon ab, was mit „Wunder“ gemeint ist. Wenn dabei an ein göttliches Eingreifen vorbei an Naturgesetzen gedacht ist, sage ich „Nein“. Zwar gibt es das oft in der Bibel, aber ich habe ein anderes Weltbild als die Menschen vor zweitausend Jahren. Ich erwarte nicht, dass ein Toter noch einmal ins Leben zurückkehrt und habe andere Erklärungen, wenn eine Kranke überraschend gesund wird. Doch gibt es erstaunliche Dinge und unerwartete Ereignisse, die ich durchaus als Wunder betrachte. Dass die deutschen Fußballer ihr Spiel gegen Schweden am Ende noch gewonnen haben, zähle ich dazu.

Doch ernsthaft: Ungezählte Male bin ich gerade noch so einem Unfall entgangen. „Wie durch ein Wunder“ sagen wir dann. Letzten Herbst warf der Sturm eine dreißig Meter hohe Pappel auf unser Haus. Sie verwüstete den Garten, blockierte die Straße und tangierte Nachbargrundstücke. Ich kann es nur als Wunder bezeichnen, dass dabei kein Mensch, nicht einmal fremdes Eigentum, zu Schaden kam.

Vor allem die Natur ist für mich voller Wunder. Der Liederdichter Paul Gerhardt, der die Schrecken und Nöte des 30jährigen Krieges erleiden musste, hat in dem Lied „Geh aus mein Herz und suche Freud“ vieles aufgezählt, was ihn um sich herum entzückte, von der Schönheit der Blumen bis zum Gesang der Nachtigall. Er wollte damit seine Frau erheitern, die zur Schwermut neigte, und schuf ein Lied, das noch nach Jahrhunderten viele beglückt. Ich bestaune die Genauigkeit, mit der täglich tausende Flugzeuge sicher starten und landen und erst recht die Präzision, mit der künstliche Satelliten in den Weltraum geschossen und dort miteinander verbunden werden.

Ich bewundere, wie die Organe meines. Körpers ohne mein Zutun zusammen wirken und mein Leben ermöglichen. Klimawandel, Insektensterben und Umweltzerstörung machen mir erst richtig bewusst, wie kunstvoll vor dem Eingriff des Menschen alles aufeinander abgestimmt war, um die Entwicklung vielfältigen Lebens bis hin zum Menschen zu ermöglichen. Ich kann das nicht alles für Zufall halten. Es sind für mich unerklärliche Kräfte, die dafür sorgen, dass junge Tiere ins Leben finden, Zugvögel an ihr Ziel gelangen und Fische zu ihren Laichplätzen geleitet werden.

Freilich besteht das Leben nicht nur aus Wundern. Leben lebt davon, dass anderes Leben stirbt und zur Nahrung wird. Es ereignen sich Unglücke, und es gibt Leid. Und vor allem geht es auf Erden ungerecht zu. Gerechtigkeit erwarten wir erst im Himmelreich. Gott straft das Böse nicht und belohnt auch nicht das Gute, jedenfalls nicht auf Erden. Er lässt zu, dass es Bösen gut und Guten schlecht geht. Ich denke, Gott hat, indem er Mensch wurde, auf seine Allmacht verzichtet. .So muss ich damit leben. dass es in dieser Welt ungerecht zugeht. Aber ich darf mich an vielen schönen Wundern erfreuen.

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