Glaube und Zweifel

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Zum Glauben gehört der Zweifel. Was unbezweifelbar ist, brauche ich nicht zu glauben. Es steht als Tatsache fest. Alle Glaubensaussagen lassen sich in Zeifel ziehen. Das gehört zu ihrem Wesen.

Zweifel können verunsichern. Das empfinden wir als unangenehm. Wir leben ruhiger, wenn wir unserer Sache gewiss sind. Darum neigen wir oft dazu, kritische Fragen gar nicht erst an uns heran zu lassen.Das hat Nachteile. Wir sind dann nicht mehr offen und gesprächsbereit. Es kann sogar gefährlich werden, wenn wir den Fundamentalismus in unser Denken einziehen lassen.Dann beharren wir auf festen Überzeugungen. Kritische Anfragen lassen wir nicht mehr an uns heran. Wir sind festgelegt und haben keine Möglichkeit mehr, Neues aufzunehmen und uns weiter zu entwickeln. Wir schotten uns von anderen Meinungen ab. Weil wir sie als bedrohlich empfinden, betrachten wir ihre Vertreter als Feinde. Wohin das führen kann, erleben wir mit Schrecken und Grausen an Islamisten, die lieber andere und sogar sich selbst umbringen, als andere Meinungen zu ertragen.

Es gibt auch christliche Fundamentalisten und hat sie leider wohl immer gegeben. Sie lassen über das, was sie als richtig erkannt haben, nicht mit sich reden. In der Regel meinen sie, sie hätten einen starken Glauben. Auf mich wirken sie eher ängstlich. Ich denke, ein starker Glaube zeigt sich darin, dass er andere Auffassungen erträgt und sich mit ihnen gedanklich auseinander setzt. Das ermöglicht Gelassenheit. Ich glaube nicht, dass Gott auf mich und mein Tun angewiesen ist, um an sein Ziel zu gelangen. Dann stünde es nicht gut um seine Sache.

Wer sich und anderen Zweifel erlaubt, der lässt auch andere Meinungen gelten. Dies wiederum ist eine Voraussetzung für Toleranz, die wir so notwendig für ein friedliches Zusammenleben benötigen. Dabei dürfen wir Toleranz nicht mit Gleichgültigkeit verwechseln. Als Friedrich II. meinte, jeder solle nach seiner Facon selig werden, war das kein Ausdruck von Toleranz, sondern ein Zeichen von Gleichgültigkeit. Ihm war es egal, was seine Untertanen glaubten, wenn sie nur gehorchten und Steuern zahlten. Toleranz setzt einen eigenen Standpunkt voraus und ist mit Schmerz verbunden. Wer eine eigene Vorstellung von dem hat, was gut, richtig und wünschenswert ist, wird es immer auch als schmerzlich empfinden, wenn seine Freunde anderer Auffassung sind.Es betrübt mich, wenn Menschen, die ich schätze, zum Beispiel die Ehe für überholt halten. Die Toleranz gebietet mir, ihre Meinung zu achten.

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