Wie erinnern wir uns öffentlich an Menschen, die zu Opfern wurden? Getötete, ermordete, an traumatisiert weiterlebende, an widerständige, resiliente?

Damit setze ich mich seit Jahren auseinander, überlege mir alternative Erinnerungsformen. Irgendwann wurde ich gefragt, warum ich das mache? Ja, warum eigentlich? Damals fiel mir keine dazu ein. Inzwischen nähere ich mich einer Erklärung meiner Motive an. Und ich bin mir nicht sicher, ob mir diese gefallen:

Motiv 1

In dem ich mich mit dem Schicksal weiterer „Betroffener“ beschäftige, fühle ich mich nicht allein mit meinem Schmerz. Und manchmal hat dies eine beruhigenden Wirkung, „man“ fühlt sich nicht allein ohnmächtig. Wenn mir dieses Empfinden bewusst wird, erfüllt es mich immer wieder mit Scham.

Motiv 2

Ich suche nach Lösungen für mein Leid. Wie sind Andere mit „der Situation“ zurecht gekommen? Woran sind sie gescheitert? Und was – spekuliere ich dann – wäre passender, erfolgversprechender gewesen. Im Grunde ein hoffnungsloses Unterfangen, denn ich sehe nur einen kleinen, eindimensionalen Teil eines Menschen, eines Geschehens. Allerdings hält es mich auf Trab, meine eigenen ErLösungen zu finden. Unangenehmer Nebeneffekt: es geschieht leicht, dass ich Gefühl der Hoffnung gefangen bin.

Motiv 3

Ich finde immer wieder Vorbilder: Menschen, die sich befreien konnten, sich nicht haben „brechen“ lassen, die überlebt haben und Frieden schließen konnten. Die versetzen mir einen Kick weiter leben zu wollen. Und sie lassen mich in der Fantasie neue, andere Geschichten erzählen…von mir, von einem anderen Leben.

Was sich beruhigend und richtig anfühlt: Beim Widmen anderer Lebensläufe empfinde ich Mitgefühl, gehe emotional in Wut und Trauer mit. Manchmal ist das belastend und doch vermittelt es mir, dass ich innerlich nicht abgestumpft bin, sondern weiter empfindsam. Allerdings hilft es bisher nicht beim Loslassen.

Oliver Simon

Meine Idee