Der Mauerfall

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28 Jahre und fast 3 Monate hat die Berliner Mauer gestanden. Am Montag wird seit ihrem Fall so viel Zeit vergangen sein, wie sie einst gestanden hat. Die Öffnung der Mauer war nach den machtvollen Demonstrationen im ganzen Land abzusehen. Die Kirchen waren nie so voll wie im Herbst 1989. Die evangelische Kirche war in der DDR die einzige flächendeckende Organisation, die nicht von der SED gesteuert wurde. Nur sie verfügte an jedem Ort über geeignete Versammlungsräume. Sie hat wesentlich Anteil daran, dass alles friedlich abgelaufen ist.

Die Öffnung der Schlagbäume am 9.November kam dann doch überraschend. So viele Freudentränen wie in dieser Nacht sind in Deutschland nie vergossen worden. Hoffnungen und Erwartungen waren riesig. D-Mark und Einheit kamen schneller als damals gedacht. Die Angleichung der Lebensverhältnisse vollzog sich langsamer und ist noch immer nicht erreicht. Dass die DDR abgewirtschaftet hatte, wussten alle. Wie schlecht es um sie bestellt war, wussten außer Günter Mittag, der im Politbüro für die Wirtschaft zuständig war, wohl nur wenige. Hinzu kam, dass die Treuhand mit der Verwertung der volkseigenen Betriebe überfordert war. Sie vergab nicht wenige an Partner, die die Übernahme als Chance betrachteten, sich möglicher Konkurrenz zu entledigen .Für das Aus weiterer Betriebe sorgten wir selbst, indem wir erfreut Westprodukte kauften und DDR-Erzeugnisse liegen ließen. Einer der größten Fehler aus meiner Sicht war der Verzicht auf die eigentlich vorgesehene Ausarbeitung einer neuen Verfassung. Zwar halte ich das Grundgesetz für im Ganzen gut, aber ich empfinde noch heute, es wurde uns übergestülpt.

Andere Entwicklungen wie Globalisierung und Digitalisierung, die unser Leben verändern, haben eigentlich nichts mit der deutschen Vereinigung zu tun, auch wenn manche das so empfinden. .Flüchtlinge werden uns bedrängen, solange wir in Wohlstand und viele Afrikaner gleichzeitig in Armut leben. Auf das Internet hätte auch die DDR nicht verzichten können. Es wird unseren Alltag weiter verändern und lässt uns Ältere oft auch alt aussehen.

Noch im Sommer 1989 glaubte ich nicht, dass ich die deutsche Einheit erleben würde. Nun sind Demokratie, Euro, Reisemöglichkeiten sowie Glaubens- und Gewissensfreiheit längst selbstverständlich geworden. Manchmal frage ich mich: zu selbstverständlich?

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