Normal

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Ich werde Ihnen ein Geheimnis verraten. Als ich sieben oder acht Jahre alt war, schickte mich eine Lehrerin zu einem Psychologen, weil sie sagte, ich sei sehr kindisch und würde überall Bilder malen. Es ist mir egal, ob du das Zeichnen durch Schreiben, Tanzen, Singen oder eine andere Art, dich frei auszudrücken, ersetzt… Es scheint so, als ob das nur für Kinder gilt.

Der Psychologe sagte, ich sei „normal“, aber was ich erfuhr, war, dass das Zeichnen in der Schule nicht mehr als gut angesehen wurde und dass ich es aufgeben oder mich verstecken musste. Es ist schon komisch, manchmal muss man nicht nur gegen Vorstellungen oder Wahrnehmungen von sich selbst ankämpfen, sondern auch gegen die Vorstellungen, die andere von einem haben.

Irgendwie habe ich aufgehört zu zeichnen, mein Verstand wurde quadratisch. Ich habe etwas Praktisches oder etwas für Erwachsene studiert, und als ich dreißig war, merkte ich, dass ich nicht glücklich war, also musste ich wieder auf mich hören und begann ein Studium der Illustration an der Kunstschule.

Wenn wir klein sind, habe ich das Gefühl, dass wir frei sind. Wir wollen spielen, Spaß haben, wissen, experimentieren. Wenn wir erwachsen werden, fangen wir an, uns zu vergleichen, Dinge zu tun, um anderen zu gefallen, uns Ziele zu setzen, nach Perfektion zu streben und Sklaven der eigenen Ansprüche zu werden. Wir hören auf, auf uns selbst zu hören, und geben anderen Stimmen mehr Gewicht.
Im Erwachsenenalter machen wir uns dann auf die Suche nach dem, was wir verloren haben. Wir wechseln den Arbeitsplatz, wir fangen neu an. Wir machen Therapie, Yoga, Pilates. Wir lernen wieder zu atmen, uns nicht zu vergleichen, nicht zu kontrollieren… wir versuchen wieder, mit dem Leben zu spielen. Es ist, als müssten wir vieles vergessen, um uns selbst wiederzufinden.
Van Gogh sagte:

„Wenn du eine Stimme in dir hörst, die dir sagt, dass du nicht malen kannst, dann male! Und diese Stimme wird zum Schweigen gebracht werden. Vielleicht müssen Sie die Stimmen zum Schweigen bringen, die nicht die Ihren sind.

Ich sage nicht, dass das einfach ist. Das Leben ist kompliziert, man muss dagegen ankämpfen, aber man muss auch den Mut haben, auf sich selbst zu hören. Mut!

PS. Dieser Beitrag ist dieser Lehrerin gewidmet.

Georg

Georg liefert mit seiner Lebensgeschichte die Begriffe, die das Wörterbuch ersatz gestalten bilden. Wir haben jeden Beitrag miteinander erarbeitet. Die Beiträge sind vorerst nicht abgeschlossen; denn wir arbeiten weiter daran. Die einzelnen Entwicklungsschritte sind als Versionsnummer gekennzeichnet.

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